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Taktik


1. Definitionen
2. Taktischer Plan
3. Einflüsse auf die Taktik
4. Taktik des Aufschlägers
5. Taktik des Rückschlägers
6. Taktik des Angriffspielers
7. Taktik des Abwehrspielers
8. Taktik des Allroundspielers
9. Taktik des Doppelspiels
9.1 Doppelpaarungen
9.2 Aufschläge im Doppel


1. Definitionen

1. Unter Taktik versteht man das planmäßige, auf die eigene und gegnerische Leistungsfähigkeit und die äußeren Umstände abgestellte Verhalten in einem Einzel- oder Mannschaftswettkampf.
(Zech, 1971)

2. Unter Taktik versteht man die Gesamtheit der individuellen Verhaltensweisen und Handlungen, die unter Berücksichtigung der Regeln, des Gegnerverhaltens und der äußeren Bedingungen auf ein bestmögliches Wettkampfergebnis gerichtet sind.

3. Die sportliche Taktik basiert auf kognitiven, technischen, physischen, psychischen und theoretischen Fähigkeiten und zielt auf ein optimales Wettkampfverhalten unter Ausnutzung aller individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Im Tischtennissport bedeutet dies, die Ausnutzung der PTRF-Effekte (Platzierung, Tempo, Rotation und Flugbahn des Balles), die Ausforschung der Absichten und Möglichkeiten des Gegners (Stärken und Schwächen), das Manövrieren (Einsatz gezielter Spielzüge, um sich selbst günstige Bedingungen zu schaffen; Einbringen der eigenen Stärken) sowie das Tarnen (Verschleierung der eigenen Absichten und Schwächen).
Durch seine erworbenen kognitiven (erkenntnismäßig; mit Hilfe des Verstandes) Fähigkeiten (taktische Kenntnisse, Materialkunde, Statistiken, Theorie), verfügt der Spieler über ein theoretisches Wissen, das ihm hilft, bestimmte Beobachtungen besser einzuschätzen, so dass er von vornherein bestimmte Schläge oder Platzierungen ausschließen kann, die er dann in seiner Antizipation nicht mehr berücksichtigen muss.


2. Taktischer Plan

• Ausnutzung der äußeren Spielbedingungen
• Ausnutzung der eigenen Stärken
• Ausnutzung der gegnerischen Schwächen


3. Einflüsse auf die Taktik

• Spielgeräte
• Halle
• Schiedsrichter
• Trainer
• Zuschauer
• Fahrt zum Spielort
• allgemeines Wohlbefinden des Sportlers


4. Taktik des Aufschlägers

Der Aufschlag ist im heutigen Tischtennissport sehr wichtig und entscheidet deshalb häufig über Sieg oder Niederlage.
Ein Angriffsspieler steht beim Aufschlag direkt hinter der Grundlinie und wird hauptsächlich aus der Rückhandseite servieren, um danach seine Vorhand für Angriffsschläge einsetzen zu können.

Ein Abwehrspieler positioniert sich dagegen etwas weiter vom Tisch entfernt (circa einen Meter) in der Tischmitte, um nicht eine Seite des Tisches weit zu öffnen. Somit erreicht er die Vorhand- und Rückhandseite gleichermaßen gut und kann dann seine Abwehrschläge am besten ausführen.

Der Aufschlag des Allroundspielers beziehungsweise des Halbdistanzspielers ist davon abhängig, ob er für den kommenden Ballwechsel eher in eine offensive oder defensivere Spielsituation gelangen möchte. Außerdem ist sein Aufschlag stark vom Gegner (Angriffsspieler oder Abwehrspieler) abhängig.

Aufschlag

5. Taktik des Rückschlägers

Der Angriffsspieler platziert sich bei der Annahme etwa einen Meter hinter der Grundlinie in der Rückhandseite. So kann er alle Aufschläge (kurz oder lang, in Vorhand- oder Rückhandseite) gut erreichen und am besten seine Vorhand ins Spiel einbringen.

Aufschlag - Rückschlag

Der Abwehrspieler stellt sich dagegen in der Tischmitte auf, auch circa einen Meter hinter der Grundlinie.

Ein Allroundspieler macht seine Position davon abhängig, ob er ins Angriffs- oder Abwehrspiel kommen möchte.


6. Taktik des Angriffsspielers

Im Allgemeinen versucht ein Angriffsspieler, seinen Gegner durch schnelle Bälle (Flip, Topspin, Schuss) unter Druck zu setzen und dadurch zum Punkterfolg zu kommen.
Der Aufschlag ist in der Regel sehr variantenreich: Unter-, Ober- und Seitschnittvarianten, vor allem kurze Aufschläge, aber auch lange und schnelle Aufschläge zur Überraschung des Gegenspielers.
Er verwendet alle Angriffsschlagarten, spielt sehr schnell und versucht, durch wenige Schläge zum Gewinn des Punktes zu gelangen.

Gegen einen anderen Angriffsspieler wird normalerweise kurz aufgeschlagen. Vereinzelte lange und schnelle Aufschläge dienen als Überraschungsmoment.
Der Return erfolgt in der Regel als kurzer oder aggressiver Schupf oder als Flip. Vorhandtopspins werden eingesetzt, um Druck aufzubauen und Punkte zu erzielen. Der Vorhandtopspin ist der wichtigste und am häufigsten verwendete Schlag des Angriffsspielers.

Gegen einen Abwehrspieler sollte sehr variantenreich aufgeschlagen werden. Schnell und langsam, kurz und lang und mit allen Schnittvarianten.
Der Rückschlag sollte normalerweise offensiv als Flip oder Topspin ausgeführt werden. Im Ballwechsel sollten viele Topspins gespielt und überraschende Stoppbälle eingesetzt werden. Gegen einen Abwehrspieler muss der Angriffspieler viel Geduld beweisen und seine Punktgewinne gut vorbereiten.

Gegen einen Halbdistanzspieler ebenfalls variantenreich aufschlagen. Offensive Rückschläge verwenden, um den Gegenüber vom Tisch zu drängen, um selbst in eine offensive Spielsituation zu kommen.
Topspins spielen und den Ball gut verteilen, um den Allroundspieler zum Laufen zu bringen. Außerdem Stoppbälle, Platzierungs- und Schlagartenwechsel einbringen, um den Gegner aus dem Spielrhythmus zu bringen.


7. Taktik des Abwehrspielers

Ein Abwehrspieler versucht, den Ball so lange im Spiel zu halten, bis der Angreifer einen Fehler begeht. Ihn zeichnen Geduld, Übersicht und Sicherheit in den Abwehrschlägen aus. Gute Abwehrspieler erkennen außerdem die Schwächen eines Angriffsspielers und nutzen schlecht platzierte oder missglückte Angriffsschläge aus, um ihrerseits selbst zu attackieren. Dadurch sind sie schwieriger auszurechnen als reine Abwehrspieler, die lediglich mit Schnittvariationen agieren können.
Die Grundposition eines Abwehrspielers ist etwa 2 bis 3 Meter hinter der Grundlinie in der Tischmitte.
Ein Abwehrspieler schlägt in der Regel mit Unterschnitt auf. Andere Aufschläge werden nur zur Überraschung eingesetzt. Er setzt auf lange Ballwechsel, bei denen er das Tempo aus dem Spiel nimmt. Durch gute Platzierungen und Schnittwechsel soll der Gegner zu Fehlern verleitet werden.

Gegen einen Angriffsspieler schlägt der Abwehrspieler fast immer mit Unterschnitt in die Rückhand auf, damit der Angriffspieler nicht sofort mit Vorhandtopspins agieren kann.
Der Defensivspieler selbst returniert fast immer mit Unterschnitt.
Das Tempo aus den Topspinbällen des Angreifers wird durch Unterschnittabwehr herausgenommen. Zudem werden Schnittvariationen eingebracht, die den Angreifer zu Fehlern verleiten sollen. Auf schwache Angriffsschläge - etwa hohe Stoppbälle oder langsame und hohe Topspins - wird mit Schmetterbällen geantwortet.

Treffen zwei Abwehrspieler aufeinander, so entwickelt sich die Partie oftmals zu einem Geduldspiel für beide Seiten. Oft kommt es dann auch zur Wechselmethode (Zeitspiel).

Das taktische Konzept eines Abwehrspielers gegen einen Allroundspieler sieht genauso aus wie gegen einen Angriffsspieler, da der Allroundspieler bei dieser Konstellation das Spiel machen muss.

Angriff - Abwehr

8. Taktik des Allroundspielers

Ein Allroundspieler versucht, seinen Gegner durch variantenreiches Spiel aus dem Rhythmus zu bringen. Er spielt sehr flexibel und nutzt die sich ihm bietenden Möglichkeiten zum Punktgewinn situativ aus.
Ein guter Allroundspieler muss sich schnell an die Spielsysteme seiner Gegner anpassen, deren Schwächen erkennen und ausnutzen.
Der Allroundspieler hat alle Schlagarten in seinem Repertoire, setzt diese variabel ein und versucht, situativ zum Punktgewinn zu kommen.

Gegen einen Angriffsspieler schlägt der Allroundspieler in der Regel kurz und mit Unterschnitt auf, damit der Angreifer nicht sofort seine schnellen Angriffsschläge einsetzen kann.
Die Rückschläge erfolgen meistens kurz mit Unterschnitt. Auch andere Varianten kommen zur Überraschung des Gegenspielers zum Einsatz, etwa Flips, aggressive Schupfbälle oder Topspins.

Gegen einen Abwehrspieler muss der Halbdistanzspieler das Spiel machen. Im Vergleich zu einem reinen Angreifer wird er jedoch variantenreicher spielen, mehr Topspinvarianten einsetzen und insgesamt geduldiger agieren. Er setzt vermehrt Stoppbälle ein und streut auch Schupfbälle ein.
Die Ballwechsel dauern noch länger als bei einem Angriffsspieler gegen einen Abwehrspieler, da der Allroundspieler vorsichtiger agiert und seine Angriffsschläge normalerweise nicht so hart sind wie die Schläge eines reinen Angriffsspielers.

Gegen einen anderen Allroundspieler wird wie gegen einen Angreifer gespielt. Der Allroundspieler muss versuchen, den Rhythmus seines Gegners zu brechen und durch vorbereitende Schläge in eine gute Ausgangslage zu kommen, um einen Punktgewinn zu verbuchen.


9. Taktik des Doppelspiels

Die Taktik im Doppel ist im Wesentlichen von den technischen und taktischen Fähigkeiten der beiden Einzelspieler, ihren Spielsystemen sowie vom harmonischen Zusammenspiel der beiden Akteure abhängig.
Außerdem verändert sich die Taktik bei Links-Rechts-Kombinationen oder der eher ungewöhnlichen Links-Links-Kombination.

Empfehlenswert ist, wenn beide Doppelpartner etwa das gleiche Spielsystem besitzen.
Gute Allroundspieler können aber auch mit einem Angriffsspieler oder einem Defensivspieler agieren. Die ungewöhnliche Abwehrspieler-Angriffsspieler-Kombination kann - vor allem in unteren Spielklassen - auch sehr Erfolg versprechend sein.

Das Laufverhalten der beiden Doppelpartner und ihr Stellungsspiel muss durch Training und Wettkampfpraxis abgestimmt werden.

Rechtshänder, die einen Ball aus der Vorhandseite schlagen, machen ihrem Partner durch eine Ausweichbewegung nach rechts Platz. Spielen sie von der Rückhandseite, so gehen sie nach links weg.
Danach bewegt sich der Spieler hinter seinen Partner in eine zentrale Position, um für seinen nächsten Schlag eine gute Ausgangsstellung einzunehmen.

Gewinnt man zu Spielbeginn die Aufschlagwahl, sollte man sich auch für den Aufschlag entscheiden, da man dann in der Regel in einer guten Ausgangsposition ist und die Gegner häufig einem Rückstand hinterherlaufen müssen.

Wählt man den Rückschlag, so hat man die Wahl, welcher Doppelpartner zunächst die Bälle annimmt.

Vor dem Aufschlag muss der Aufschläger seinen Partner über die PTRF-Effekte (Platzierung, Tempo, Rotation, Flugbahn) seines Aufschlages informieren, entweder verbal oder durch Handzeichen unter dem Tisch. Gut eingespielte Doppelkombinationen kennen die Aufschläge des Partners blind und wissen, welche Varianten er in bestimmten Situationen einsetzt.
Kurze Aufschläge mit Unterschnitt bringen den Partner oftmals in eine gute Ausgangsposition.

Im Umgang mit dem Doppelpartner sollte man ihn für gelungene Aktionen, gute Schläge und Punktgewinne loben, um sein Selbstvertrauen zu stärken.
Nach Fehlern sollte er nicht kritisiert werden, sondern durch Zuspruch aufgemuntert und für den nächsten Ballwechsel ermutigt werden.

Doppelspiel

9.1 Doppelpaarungen

Jörg Rosskopf, Doppelweltmeister von 1989, erklärt, was ein starkes Doppel ausmacht: „In den guten Doppeln gibt es immer einen, der vorbereitet und einen, der die Punkte macht.“
Der Vorbereiter muss dabei in der Regel über viel Ballgefühl und ein gutes Auge für die Situation verfügen, um seinen Mitspieler durch einen platzierten Schlag in eine gute Ausgangsposition für einen Punktgewinn zu bringen.
Damit ein Doppel harmonisch funktioniert, müssen nicht nur die Spielsysteme zusammenpassen. Auch im zwischenmenschlichen Bereich müssen sich beide Partner verstehen.
Um eine ideale Doppelpaarung zu finden, sollte man einige Regeln bei der Zusammenstellung beachten. Am meisten Erfolg versprechen folgende Kombinationen:
• Ideal ergänzen sich ein Rechtshänder und ein Linkshänder, denn sie können den Platz hinter dem Tisch so abdecken, dass sie beide fast ausschließlich mit ihrer Vorhand agieren können.
• Spielen zwei Rechtshänder zusammen, sollte mindestens einer, am besten aber beide, über eine gute Rückhand verfügen. Bauen beide ihr Spiel über die Vorhandseite auf, können sie bei geschickter Platzierung der Gegner große Probleme mit ihren Laufwegen bekommen. Gleiches gilt für die eher ungewöhnliche Kombination mit zwei Linkshändern.
• Gut harmonieren Paarungen, die hinter dem Tisch in unterschiedlichen Zonen agieren, also zum Beispiel ein Konter- und Blockspieler mit einem Partner, der eher aus der Halbdistanz agiert. Wichtig ist, dass der Konter- und Blockspieler die Bälle gut platzieren und selbst mit entsprechend viel Tempo agieren können muss, da sonst sein Mitspieler in der Halbdistanz chancenlos ist.
• Auch wenn zwei Abwehrspieler eine Doppelkombination bilden, steht in der Regel einer näher zum Tisch als der andere. Besonders gefährlich wird ihr Spiel, wenn sie über unterschiedliche Beläge verfügen, eventuell noch den Schläger während der Ballwechsel drehen (Schnittvariationen) und selbst Angriffsschläge einstreuen können.
• Spielen ein Abwehr- und ein Angriffsspieler zusammen, so muss der Angreifer bei schlechteren Abwehrschlägen seines Partners gut blocken und bei schwächeren Schlägen der Gegner gut schießen können. Gute Chancen hat eine Abwehr-Angriff-Kombination in unteren Klassen, doch je höher das Spielniveau ist, desto schwieriger wird es für eine solche Paarung.


9.2 Aufschläge im Doppel

Der Aufschlag ist im Doppel nicht ganz so entscheidend wie im Einzel, da der Rückschläger genau weiß, wohin der Ball geschlagen wird.
Wichtiger ist der Rückschlag, der möglichst so platziert wird, dass der eigene Mitspieler gut ins Spiel findet. Im Spitzenbereich kommt es dabei häufig zum Kurz-Kurz-Spiel, wogegen in unteren Klassen oft Rückschläge auf den Wechselpunkt oder in die tiefen Ecken zum Erfolg führen.
Linkshänder haben wegen ihrer optimalen Stellung zum Tisch sowohl beim eigenen Aufschlag als auch beim Rückschlag Vorteile.
Selbst seit Jahren eingespielte Doppel, die sich auswendig kennen, zeigen sich gegenseitig unter dem Tisch per Handzeichen ihre Aufschlagsvarianten an. Dies ist nicht nur im Spitzenbereich sinnvoll, sondern auch in unteren Klassen, damit sich der Mitspieler besser auf den zurückkommenden Ball einstellen kann. Außerdem muss der Partner nicht auf die Aufschlagbewegung seines Mitspielers achten, sondern kann die Gegner beobachten.
Jedes Doppel kann natürlich seine eigene Zeichensprache entwickeln, doch es gibt auch gebräuchliche Zeichen, die man zunächst benutzen kann:


• kurzer Aufschlag ohne Schnitt

kurzer Aufschlag ohne Schnitt

• kurzer Aufschlag mit Unterschnitt

kurzer Aufschlag mit Unterschnitt

• kurzer Aufschlag mit Seitschnitt

kurzer Aufschlag mit Seitschnitt

• kurzer Aufschlag mit Oberschnitt

kurzer Aufschlag mit Oberschnitt

• langer Aufschlag

langer Aufschlag
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