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Der Rückschlag


1. Die Analyse der Spielsituation
2. Die Antizipationsphase
2.1 Wahrnehmung
2.2 Entscheidung
2.3 Realisierung
2.4 Realisierungskontrolle
3. Übungen


Dass gute Aufschläge wichtig sind, um direkte Punkte zu erzielen oder in eine gute Ausgangsposition für den nächsten Schlag zu kommen, leuchtet wohl jedem Spieler ein. Das Rückschlagtraining wird aber häufig vernachlässigt. Was nützen einem Spieler die besten Aufschläge, wenn er selbst die Aufschläge seines Gegners nicht adäquat returnieren kann. Nicht nur gute Aufschläge - auch gute Rückschläge - können den entscheidenden Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.
Trotz der neuen Aufschlagregel, die 2002 eingeführt wurde und das Verdecken des Balles verbietet, versucht der Aufschläger weiterhin den Rückschläger zu täuschen. Dies geschieht durch Aufschlagvarianten, bei denen der Rückschläger den genauen Balltreffpunkt nicht gut erkennen kann, zum Beispiel beim Scheibenwischerprinzip oder dem Umkehrprinzip (siehe Aufschläge). Hierbei ändert sich die Bewegungsrichtung kurz vor oder kurz nach dem Balltreffpunkt oder der Ball wird kurz vor oder kurz nach dem Scheitelpunkt einer halbkreisförmigen Bewegung getroffen.
Innerhalb von kürzester Zeit muss der Rückschläger die Aufschlagsituation erfassen. Dazu zählt:


1. Die Analyse der Spielsituation

• Welche Position nimmt der Aufschläger ein?
• Welche Winkel kann er somit beim Aufschlag spielen?
• Welche Aufschlagstellung nimmt er ein? (Vorhand- oder Rückhandaufschlag)
• für die Analyse der Spielsituation hat der Rückschläger ausreichend Zeit und er kann eine optimale Position einnehmen, um nicht durch den Aufschläger ausplatziert zu werden


2. Die Antizipationsphase

2.1 Wahrnehmung

• Wurfhöhe des Balles (eventuell lässt sich daraus erkennen ob ein schneller oder langsamer Aufschlag folgt oder ob der Aufschlag sehr viel Rotation hat; je höher die Wurfhöhe ist, desto höher ist die Geschwindigkeit mit der der Ball auf den Schläger trifft; ist der Aufschläger in der Lage, diese Geschwindigkeit in Rotation umzuwandeln, kann der Aufschlag mehr Rotation enthalten als bei einem niedrigeren Ballwurf)
• Schlägerhaltung (normale Griffhaltung oder spezielle Griffhaltung für den Aufschlag, um mehr Rotation erzeugen zu können)
• Ball-Schläger-Kontakt (ist das entscheidende Kriterium, um einen Aufschlag zu lesen; ist der Kontakt laut oder leise, wird der Ball also zentral oder tangential getroffen; wohin wird der Aufschlag platziert; wie ist die Flugkurve)
• erster Tischkontakt (gibt einen Aufschluss über die Länge des Aufschlages; setzt der Ball an der Grundlinie auf, so wird der Aufschlag lang und schnell; setzt der Ball in Netznähe auf, so wird der Aufschlag kurz und langsam)
• Flugkurve (Welche Geschwindigkeit hat der Aufschlag? Hat er eine hohe oder flache Flugbahn?)
• Ballstempel (eventuell gibt der Ballstempel Hinweise auf die Rotation des Balles)
• zweiter Tischkontakt (Länge des Aufschlages; Absprung hoch [Unterschnitt] oder flach [Oberschnitt] oder eventuell zur Seite [Seitschnitt])
• individuelle Merkmale beim Aufschläger (Stellung von Schulter, Ellbogen und Hüfte zum Tisch; schaut er sich vor dem Beginn des Aufschlages eine Ecke aus; stampft er bei bestimmten Aufschlägen immer mit einem Fuß auf)

2.2 Entscheidung

• Der Rückschläger muss nun innerhalb kürzester Zeit die wahrgenommenen Informationen verarbeiten und eine Entscheidung für einen Rückschlag treffen. Diese Entscheidung erfolgt individuell nach dem erwarteten Aufschlag und den eigenen technischen und taktischen Fertigkeiten und denen des Gegners.
Grundsätzlich hat der Rückschläger je nach Länge des Aufschlages mehrere Möglichkeiten, aus denen er die individuell beste wählen muss.
• kurzer Aufschlag: kurzer oder langer Schupf (eventuell aggressiv), Flip, Schuss
• halblanger Aufschlag: kurzer oder langer Schupf (eventuell aggressiv), Flip, Topspin, Konter, Block, Schuss, Unterschnittabwehr
• langer Aufschlag: Topspin, Konter, Block, Schuss, Unterschnittabwehr

2.3 Realisierung

• Die Realisierung ist die Ausführung des Rückschlages.

2.4 Realisierungskontrolle

• Während des Rückschlages beziehungsweise kurz danach interpretiert der Rückschläger, ob sein Schlag die richtige Antwort auf den Aufschlag war, wie die Ausführung war und ob er ins taktische Konzept passt


3. Übungen

Wie beim Aufschlag sollte den Kindern auch beim Rückschlag zunächst vermittelt werden, wie sich die Rotation des Balles beim Auftreffen auf ihrem Belag entfaltet und wie sie angemessen darauf reagieren können.
Die Aufschlag-Rückschlag-Übungen sollten in der Regel unregelmäßig sein, damit sie die Spielsituation am besten simulieren.
• kurzer Aufschlag; Schupf oder Flip auf Ellbogen oder in weite Vorhand beziehungsweise weite Rückhand; Topspin; freies Spiel;
alternativ: langer und schneller Aufschlag auf Ellbogen oder auf eine Ecke
• kurzer Aufschlag; Kurz-Kurz-Spiel bis der Rückschläger mit einem Flip oder aggressiven Schupf nach außen oder auf den Ellbogen eröffnet; Tospin; freies Spiel;
alternativ: langer und schneller Aufschlag auf Ellbogen oder auf eine Ecke
• halblanger Aufschlag; Entscheidungssituation von Schupf oder Flip über dem Tisch oder Topspin hinter dem Tisch;
alternativ: Übung als Wettkampfform; Rückschläger lässt den Ball ticken, wenn er glaubt, dass er nur einmal auf dem Tisch aufspringt; hat er Recht, erhält er einen Punkt; tickt er doch ein zweites Mal nahe der Grundlinie auf, erhält der Aufschläger einen Punkt
• Linien auf den Tisch zeichnen, die Felder markieren; Rückschläger muss den Aufschlag nun in ein bestimmtes Feld, zum Beispiel kurz hinter das Netz oder lang nahe der Grundlinie spielen; gelingt dies nicht, erhält der Aufschläger einen Punkt.

Rückschlag
© 2006 - 2010 by Marcel und Maurice Sillus