TuWa - Logo
Heute:   51
Gestern:   174
Gesamt:   200454
   

Ball-, Schläger-, Tischgewöhnung und Schlägerhaltung


1. Ballgewöhnung
2. Schlägerhaltung
2.1 Shake-Hand-Griff
2.2 Vorhand-Griff
2.3 Rückhand-Griff
2.4 Penholder
2.5 Penholder - chinesische Variante
2.6 Penholder - japanische Variante
3. Schlägergewöhnung
4. Tischgewöhnung


1. Ballgewöhnung

Viele Kinder sind sicherlich aus ihrer Freizeit schon mit Badminton- und Tennisschlägern oder einem Speckbrett und den dazugehörigen Bällen vertraut. Diese bekannten Sportgeräte werden dann durch tischtennisspezifische Geräte abgelöst. Hierbei ist besonders auf kindgerechte Materialien zu achten, z.B. kleinere Tischtennisschläger, normale Tischtennisbälle und Jumbobälle, Softbälle und Luftballons.
Um sich langsam an den kleinen Zelluloidball zu gewöhnen, sollten die Kinder erst einen Luftballon, dann einen Softball und einen Jumboball und zum Schluss einen Tischtennisball hochwerfen und wieder auffangen. Diese Übung sollte auch beim Gehen oder Laufen ausprobiert werden. Die Bälle kann man sich auch zu zweit oder in der Gruppe zuwerfen, zupusten oder zurollen. Zudem kann der Ball auch gegen die Wand geworfen und mit oder ohne Bodenkontakt wieder aufgefangen werden oder über eine Langbank gerollt werden.


2. Schlägerhaltung

Bevor es dann an die Platte geht, muss man dem Kind die richtige Schlägerhaltung erklären.
Dabei kann man zwischen „Shake-Hand“ und „Penholder“ unterscheiden, wobei sich die Penholderhaltung noch in eine chinesische und eine japanische Variante gliedert.
„Shake-Hand“ und „Penholder“ grenzen sich deutlich voneinander ab, wobei fast alle europäischen Spieler und mittlerweile immer mehr Asiaten den „Shake-Hand-Griff“ bevorzugen. Der „Penholder-Griff“ wird hauptsächlich von asiatischen Spielern verwendet.
Beide Schlägerhaltungen haben Vor- und Nachteile. Es besteht daher kein Anlass, von vornherein eine der beiden Haltungen zu präferieren.
Bei beiden Schlägerhaltungen muss darauf geachtet werden, dass das Handgelenk voll beweglich bleibt. Bei unkorrekter Schlägerhaltung werden einige Schlagtechniken erleichtert, andere dafür aber auch erschwert. Um alle Schläge gleich gut ausführen zu können und damit sich keine falsche Schlägerhaltung (z.B. Vorhand- oder Rückhandgriff) einschleicht, muss der Trainer von Beginn an auf eine korrekte Schlägerhaltung achten. Auch Abweichungen, die im fortgeschrittenen Stadium auftreten, müssen sofort korrigiert werden.

Neutralgriff

2.1 Shake-Hand-Griff

Der „Shake-Hand-Griff“ erhielt seinen Namen, weil man den Schläger in die Hand legt, die wie zu einem Händeschütteln ausgestreckt ist. Wenn Daumen und Zeigefinger der gestreckten Hand zueinander bewegt werden, bildet sich eine Hautfalte. Genau in der Verlängerung dieser Falte muss die obere Kante des Schlägerblattes liegen.
Der Schlägergriff wird locker von Mittel-, Ring- und kleinem Finger gefasst. Der Daumen liegt auf der Vorhandseite des Schlägerblattes, der Zeigefinger ungefähr parallel zum Daumen auf der Rückhandseite des Schlägerblattes. Der Schlägergriff wird so weit oben gefasst, dass die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger leichten Kontakt mit dem „Steg“ hat. Man spricht dann vom „Neutral-Griff“.
Der „Shake-Hand-Griff“ bietet den Vorteil, dass - bei korrekter Schlägerhaltung - alle Schläge mit Vorhand und Rückhand gleichermaßen gut erlernbar sind.
Vorteile sind des Weiteren eine größere Reichweite in der Rückhand, der Rückhandtopspin und das Verteidigungsspiel.
Ein Nachteil ist die geringere Bewegungsmöglichkeit des Handgelenks. Außerdem sind Bälle, die auf den „Ellenbogen“ beziehungsweise den Wechselpunkt gespielt werden, schwieriger zu returnieren.
Im Spitzenbereich gibt es eine eindeutige Präferenz für den „Shake-Hand-Griff“.

Shakehandgriff Vorhandseite

Shakehandgriff Rückhandseite

2.2 Vorhand-Griff

Der Vorhand-Griff ist eine falsche Schlägerhaltung beziehungsweise eine Abweichung des „Neutral-Griffes“, der unbedingt durch den Trainer korrigiert werden muss. Dabei verkantet sich das Schlägerblatt mehr oder weniger stark in Richtung des Daumens.
Vorhandtopspin, Rückhandschuss, Vorhandflip, schnelle Wechsel von Rückhand zu Vorhand, parallele Schläge aus der Vorhandecke, diagonale Rückhandschläge, Vorhandschläge aus der Tischmitte, Vorhandsidespin nach rechts sowie Rückhandunterschnittabwehr lassen sich besser mit einem Vorhand-Griff ausführen.

Vorhandgriff

2.3 Rückhand-Griff

Der Rückhand-Griff ist ebenfalls eine falsche Schlägerhaltung beziehungsweise eine Abweichung des „Neutral-Griffes“, der auch korrigiert werden muss. Hierbei neigt sich das Schlägerblatt mehr oder weniger deutlich zum Zeigefinger hin.
Rückhandtopspin, Vorhandschuss, Rückhandflip, schnelle Wechsel von Vorhand zu Rückhand, parallele Schläge aus der Rückhandecke, diagonale Schläge aus der Vorhandecke, Rückhandschläge aus der Tischmitte, Vorhandsidespin nach links und Vorhandunterschnittabwehr lassen sich besser mit einem Rückhand-Griff durchführen.

Rückhandgriff

Beide Schlägerhaltungen haben Vor- und Nachteile. Sehr gute Spieler variieren ihre Schlägerhaltung leicht während der Ballwechsel von Vorhand- zu Rückhand-Griff und umgekehrt, um die jeweiligen Vorteile der entsprechenden Schlägerhaltungsvariante für den beabsichtigten Schlag auszunutzen.
Antizipiert der Spieler jedoch einen Ball falsch und erhält den Ball auf die für ihn falsche Schlägerseite, so muss er den Schlag mit der falschen Schlägerhaltung ausführen, wodurch ein effektiver Schlag nur noch schwer möglich ist.
Besonders gut lässt sich diese Technik, bei der man das Holz in der Hand gleiten lässt, mit einem geraden Schlägergriff ausführen, der das Umgreifen zwischen den Griffvariationen erleichtert.


2.4 Penholder

Mit der „Penholder-Griffhaltung“ schlägt der Spieler die Bälle in der Regel mit nur einer Seite des Schlägers. Seit einigen Jahren gibt es asiatische Spieler, die auch die Rückhandseite ihres Schlägers nutzen und mit dem „Penholder-Griff“ einen Rückhandtopspin oder eine Rückhandflip spielen, um mehr technische aber auch taktische Alternativen zu besitzen.


2.5 Penholder - Chinesische Variante

Bei der chinesischen Schlägerhaltung des „Penholder-Griffs“ fasst die Hand den Schläger so, dass Daumen und Zeigefinger auf der Vorhandseite liegen. Zwischen den Spitzen von Daumen und Zeigefinger ist ein etwa zweifingerbreiter Abstand. Der gebeugte Mittelfinger liegt auf der Rückseite des Schlägerblattes, der Ringfinger liegt am Mittelfinger, der kleine Finger am Ringfinger.

Penholder - chinesische Variante

2.6 Penholder - Japanische Variante

Bei der japanischen Schlägerhaltung des „Penholder-Griffs“ fasst die Hand den Schläger so, dass Daumen und Zeigefinger auf der Vorhandseite liegen und sich die Spitzen der Finger berühren. Die Spitzen der leicht gebeugten Mittel-, Ring- und des kleinem Finger liegen nebeneinander auf der Rückseite des Schlägerblattes.

Penholder - japanische Variante

Penholder - Rückseite

Vorteile des „Penholder-Griffs“ sind die bessere Beweglichkeit des Handgelenks beim Aufschlag und beim Spiel über dem Tisch (speziell bei der chinesischen Variante). Zudem kann man beim Vorhandschuss mehr Druck auf den Ball bringen (speziell bei der japanischen Variante) und es entstehen keine Probleme, wenn der Spieler auf dem „Ellenbogen“ beziehungsweise dem Wechselpunkt angespielt wird.
Nachteilig wirkt sich die geringere Reichweite - besonders auf der Rückhandseite - aus. Außerdem sind Rückhandtopspin und Rückhandschuss technisch schwieriger und der Spieler wird im Verteidigungsspiel vor große Probleme gestellt.


3. Schlägergewöhnung

Hält das Kind den Schläger nun richtig in der Hand, kann es mit ersten Übungen beginnen:
• einen Luftballon mit der Hand immer wieder hochschlagen, ohne dass er den Boden berührt
• zwei unterschiedlich farbige Ballons mit den Händen hochschlagen, zum Beispiel einen roten mit der rechten Hand und einen blauen mit der linken Hand
• zwei Ballons mit der Hand hochschlagen, ohne dass sie den Boden berühren (roter Ballons mit der Handinnenseite, schwarzer/blauer Ballon mit der Handaußenseite)
• den Ballon beziehungsweise die Ballons mit der linken Hand (bei Rechtshändern) hochschlagen
• den Ballon im Gehen und Laufen vor sich hertreiben, ohne dass er den Boden berührt
• ein oder zwei Luftballons mit einem Partner durch die Sporthalle vor sich hertreiben, eventuell durch einen Hindernisparcours
• die Spieler stellen sich in einem Kreis auf und schlagen einen Luftballons jeweils eine Position weiter zum Partner neben ihnen
• die gleiche Übung wird nun mit zwei Ballons durchgeführt, die sich gegenseitig jagen; dabei dürfen nie beide Ballons gleichzeitig bei einem Spieler sein
• alternativ können beide Luftballons in unterschiedliche Richtungen gespielt werden, so dass es bei einigen Spielern immer wieder zu Überschneidungen kommt und sie zwei Ballons schlagen müssen
• einen Ballon mit dem Schläger in der Luft halten, einen zweiten mit der freien Hand
• einen Luftballon zunächst auf dem Schläger balancieren (im Stand und beim Laufen) und danach auf dem Schläger tippen
• den Ballon mit dem Schläger durch die Halle treiben
• einen Tischtennisball auf der Vorhand- und Rückhandseite balancieren (im Stand und beim Laufen)
• den Ball auf der Vorhandseite oder der Rückhandseite balancieren und dabei von einer Bank, einem Kasten, dem Boden oder einer Weichbodenmatte aufstehen und sich wieder setzen, ohne dass der Ball vom Schläger rollt
• den Ball auf der Vorhandseite oder der Rückhandseite balancieren und dabei auf einem Bein stehen, mit dem freien Bein schwingen oder mit dem freien Arm kreisförmige Bewegungen machen
• den Ball auf der Vorhandseite oder der Rückhandseite balancieren und auf einem Bein hüpfen
• den Ball vom eigenen Schläger auf den Schläger eines Partners rollen lassen
• alle Übungsformen sollten auch mit der schwächeren Hand durchgeführt werden
• den Ball auf der Vorhandseite oder der Rückhandseite balancieren und dabei durch die Halle gehen oder laufen (dabei verschiedene Laufstile wie Hopserlauf, Side-Steps oder Watschelgang anwenden)
• während des Gehens oder Laufens Hindernisse in der Halle überwinden, z.B. Weichbodenmatten, kleine Kästen, Bänke oder Slalomstangen, ohne dass der Ball dabei vom Schläger herunterrollt
• Hindernissparcour kann auch gut für Staffelspiele verwendet werden
• Kinder bewegen sich in einem begrenzten Feld und versuchen, ihren Mitspielern den Ball vom Schläger zu pusten
• den Ball auf der Vorhandseite und Rückhandseite tippen
• den Ball verschieden hoch tippen
• den Ball möglichst hoch schlagen und mit dem Schläger auffangen (alternativ: den Ball auffangen, ohne dass er wieder nach oben abspringt)
• den Ball abwechselnd mit Schlägerblatt und Schlägerkante oder Schlägergriff tippen
• den Ball zunächst mit Vorhand, dann Rückhand und zum Schluss abwechselnd mit Vorhand und Rückhand gegen eine Wand schlagen, auf dem Boden aufticken lassen und weiter schlagen
„Siamesische-Zwillinge“: zwei Spieler werden mit einem Seil aneinander gebunden und müssen nun versuchen, einen Ball abwechselnd gegen die Wand zu schlagen
„Tischtennis-Squash“: zwei Spieler schlagen einen Tischtennisball abwechselnd gegen die Wand, der beim Zurückspringen in einem bestimmten Feld aufspringen muss. Dabei versuchen sie, sich gegenseitig auszuplatzieren
• Zielfelder an der Wand (z.B. DIN A3- oder DIN A4-Bögen) in verschiedenen Höhen treffen
• Übungen abwechselnd mit einem Partner durchführen (Vorübung zum Erlernen des Doppelspiels)
„Schützenfest“: Ziele an der Wand mit unterschiedlicher Größe anbringen, die eine unterschiedliche Punktzahl haben. Welcher Spieler erreicht mit einer vorgegebenen Anzahl von Schlägen die höchste Punktzahl?
„Wand-Rundlauf“: Mehrere Spieler schlagen abwechselnd einen Ball gegen die Wand und laufen dabei im Kreis um ein Hindernis, zum Beispiel Side-Steps um eine oder zwei Umrandungen
„Nummern-Wand-Rundlauf“: Das Spiel funktioniert wie „Wand-Rundlauf“, doch die Spieler werden bei dieser Variante nummeriert. Nun ruft der Trainer die Nummer des Spielers auf, der als nächster den Ball schlagen muss
• den Ball, der von der Wand zurückfliegt, aus der Luft zurück an die Wand schlagen
• den Ball seitlich vor die Wand spielen und ihn mit Sidesteps erreichen
„Gitterspiel“: Die Zwischenräume einer Sprossenwand mit Punktzahlen markieren, die es zu treffen gilt. Welcher Spieler erreicht mit einer vorgegebenen Anzahl von Schlägen die höchste Punktzahl?
• sich mit einem Partner den Ball über eine geringe Entfernung zuspielen (1-5 Meter), mit und ohne Bodenkontakt
• dabei in einem Reifen stehen, der beim Spielen nicht verlassen werden darf (Zielgenauigkeit)
• beim Warmlaufen schlagen sich zwei Spieler den Ball in der Luft zu
• zwei Spieler stehen sich in einem Abstand von zwei bis vier Metern gegenüber und spielen sich den Ball zu, ohne dass er den Boden berührt; dabei gehen sie aufeinander zu und verändern den Abstand, so dass er nur noch wenige Zentimeter beträgt
• eine Bank, Schnur oder Umrandungen als Netz verwenden und Einzel, Doppel oder Rundlauf spielen; dabei verschiedene Bälle (zum Beispiel Jumbobälle) und Schläger verwenden (etwa Speckbretter)
• die Kinder lassen einen Ball hinter dem Tischtennistisch auf dem Boden aufspringen und sollen ihn dann in hohem Bogen zum Partner auf der anderen Seite schlagen; der Partner stoppt den Ball mit dem Schläger, lässt ihn ebenfalls einmal auf dem Boden aufspringen und schlägt ihn zurück (Übung zunächst mit Vorhand und dann mit der Rückhandseite durchführen)
• die Übungsanordnung ist im zweiten Teil gleich, der Ball soll nun jedoch auf den Tisch geschlagen werden, wobei der Ball möglichst leise getroffen werden soll


4. Tischgewöhnung

• sich den Ball auf dem Tisch (ohne Netz) zurollen oder zupusten
• Tischtennis-Tennis über eine quer aufgestellte Tischtennisplatte (ohne Netz) spielen
• Ball vor eine hochgeklappte Tischhälfte schlagen
• Eine Runde Handtischtennis spielen, wie es die Kinder häufig in den Pausen auf dem Schulhof machen
• mit einem Partner „Ping Pong“ spielen, wobei der Ball jeweils auf der eigenen Tischhälfte und auch auf der Tischhälfte des Gegners aufspringen muss
„Reifen-Tischtennis“: einen Gymnastikreifen in der Tischmitte festklemmen. Ziel ist es nun, den Ball durch den Reifen zu schlagen
„Bierdeckel-Spiel“: auf einer Tischhälfte Bierdeckel auslegen, auf deren Rückseite Aufgaben stehen. Wird nun ein Bierdeckel getroffen, so muss im Anschluss die entsprechende Übung absolviert werden

Nach diesen Vorübungen wird nun richtig am Tisch gespielt. Zur Vereinfachung und um das Spiel zu verlangsamen, sollte zunächst mit Jumbobällen begonnen werden. Zudem sollten verschiedene Schläger benutzt werden.
Im Anschluss werden den Kindern die grundlegenden Regeln des Spiels erläutert.
Die Ausführung der korrekten Schlagtechniken spielt zu Beginn des Lernprozesses noch keine bedeutende Rolle. Die Kinder sollen zunächst einmal ein Gefühl für den Ball bekommen, ihn bewusst wahrnehmen, auf die Schläge des Gegners reagieren und ihre Antizipationsfähigkeit entwickeln.
Wichtig ist vor allem, dass auf die korrekte Schlägerhaltung geachtet wird und eine falsche Haltung sofort korrigiert wird. Zudem sollen die Kinder Bälle rechts vom Körper mit der Vorhand und Bälle, die vor und links vor ihrem Körper platziert werden, mit der Rückhand schlagen.
Der Aufschlag kann zunächst noch indirekt erfolgen. Der Ball wird dabei über der Platte hochgeworfen und nach dem Aufticken auf die andere Tischhälfte geschlagen.
Mit ersten Spielen und Turnierformen sollte möglichst früh begonnen werden.  

© 2006 - 2012 by Marcel und Maurice Sillus